HAI-BERICHTE

10. April 2003 - Quecksilber könnte Rettung für Haie sein

Palau/Karlsruhe (AFP) - Der Anblick der großen Grauen Riffhaie, die sich seit Ewigkeiten einmal im Jahr in einer Lagune vor Hawaii versammelten, ist Geschichte. Die einst als Gottheiten verehrten Fische sind zumindest dort längst ausgerottet. Zum Verhängnis wurden ihnen ihre Flossen, die ihnen oft bei lebendigem Leib abgehackt wurden, um in den Garküchen Asiens zu Suppen verkocht zu werden. "Haiflossen sind ein hochpreisiges Handelsgut geworden", sagt der US-Marinebiologe Phil Lobel. Er gründete nun auf der mikronesischen Insel Palau eine Organisation, die die Überfischung der Haie in der Region stoppen will. Im Wettlauf mit dem Artentod könnte die seit 200 Millionen Jahren exsistierenden Räuber paradoxerweise nun womöglich schützen, was Umweltorganisationen längst beklagen: Haie sind mit dem Umweltgift Quecksilber zum Teil extrem belastet. Vor allem Dritte-Welt-Länder haben Haie als Profitquelle entdeckt. Bei Preisen von bis zu 2300 Euro, die auf den Märkten Asiens für die Flossen eines einzigen Riesenhais gezahlt werden, ist das kein Wunder. Aber selbst die Flossen gewöhnlicher Haie, die weltweit bei der Jagd nach Thun- oder Schwertfisch als eigentlich unerwünschter Beifang miterbeutet werden, erzielen Höchstpreise. Der Grund: Haifischflossensuppe, die je Schale bis zu 100 Euro kosten kann, ist für Asiaten ein Symbol von Reichtum. 40 Haie müssen deshalb schon mal ihre Flossen für ein Hochzeitsbankett lassen und weit mehr sind es, wenn große Unternehmen zu Betriebsfesten einladen. 300.000 Kilogramm getrockneter Flossen werden deshalb allein in Hongkong jedes Jahr umgeschlagen; weltweit sterben rund 100 Millionen Hai. Unzähligen von ihnen werden oft bei lebendigem Leibe die Flossen abgehackt und die Tiere nach diesem sogenanten Finning für einen qualvollen Tod ins Meer zurückgeworfen. Wegen der Nachfrage in Asien hat sich der Weltexport an Haifischprodukten seit 1985 mehr als verdoppelt; die Zahl der Exportnationen stieg von 18 auf 40. Sie machen nach Schätzungen des US-Experten Samuel Gruber einen Jahresumsatz von rund 240 Millionen Euro. An diesem lukrativen Geschäft sind auch die weltweit arbeitenden Fangflotten der EU beteiligt: Allein Spanien exportierte im Jahr 2000 knapp eine Million Kilogramm Haiflossen nach Hongkong. Doch das Finning soll auf EU-Booten nun gestoppt werden. Das Europäische Parlament einigte sich vergangene Woche auf einen entsprechenden Beschlussvorschlag. Verbote zum Schutz der 60 kommerziell befischten Haiarten gibt es bereits in den Hoheitsgewässern zahlreicher Nationen. Doch weil sie kaum überwacht werden können und Handelsausfälle bislang durch immer neue Exportnationen mehr als ausgelichen wurden, gehen nun Tierschützer einen anderen Weg: Sie klären in den Konsumländern auf - und haben verblüffende Erfolge. Es ist allerdings nicht der Hinweis auf Artenschutz, sondern der auf die eigene Gesundheit, den sie sich dabei zunutze machen: Die US-Organistaion WildAid klärte im thailändischen Bangkok darüber auf, dass 70 Prozent der dort gehandelten Flossen mit dem Nervengift Quecksilber belastet sind und Spitzenwerte bis zum 42-fachen des international Erlaubten erreichten. Daraufhin ging der Suppen-Konsum schlagartig um die Hälfte zurück - und WildAid handelte sich von 15 Restaurants einen Prozess über rund zwei Millionen Euro Schadensersatz ein. Trotzdem ist Hongkong nun das Ziel solch einer Aufklärungskampagne. Auch deutsche Verbraucher könnten somit zum Schutz von Haien beitragen, wenn sie etwa auf Schillerlocke, Seeaal, Kalbfisch oder Seestör verzichteten. Unter diesen Phantasienamen kommt der ebenfalls bedrohte atlantische Dornhai auf den Markt. Weil der Fisch 70 Jahre alt werden kann, hat er viel Zeit, mit der Nahrung Quecksilber anzureichern. In Kanada werden deshalb Sportangler ausdrücklich gewarnt, Dornhaie zu essen, die größer als 60 Zentimeter sind. Solch eine Warnung ist hierzulande allerdings nicht bekannt: "Die Frage nach Grenzwerten ist eine politische, keine wissenschaftliche", heißt es dazu hinter vorgehaltener Hand in der Hamburger Bundesanstalt für Fischereiforschung.




6. April 2003 - Turboantrieb unter der Haut

(Kalifornien) Jahrelang war es eines der größten Rätsel für die Wissenschaftler: Wie erreichen Haie enorm hohe Geschwindigkeiten, um an Beutefische heran zu schnellen? Das Problem ist nämlich, dass Haie zu den Knorpelfischen gehören. Sie haben kein hartes Knochenskelett, schwimmen mit S-förmigen Körperbewegungen. Das ist zwar Kräftesparend und für lange Strecken geeignet. Aber in der Bewegung geht viel Energie verloren. Knochenfische, wie z. B. Thunfische, haben eine steifere Schwanzflosse, verdrängen so effektiver Wasser. Wenn nun Haie aber jagen, können sie blitzschnell zustoßen. Bis zu 50 km/h sind möglich, der Makohai erreicht sogar 90 km/h. Um dies zu erreichen, versteifen die Haie ihren Körper. Wie sie das machen, fanden jetzt Wissenschaftler der University of California heraus. Die Haie verstärken den Druck von innen gegen ihre harte Knorpelhaut. Dadurch wird sie eine relativ steife Schale, ersetzt so ein steifes Knochengerüst. Je schneller die Haie schwimmen, desto höher bauen sie Druck von innen auf. Das dies sehr kräfteraubend ist, versteht sich von selbst.

(Quelle: Welt am Sonntag)




NAIROBI - Dem grossen Weissen Hai, der durch den Hollywood Film «Jaws» Unsterblichkeit erlangte, wurde am Dienstag jeglicher Schutz vor seinen Jägern verwehrt, als eine Konferenz der Vereinten Nationen den Vorschlag zur Regulation des Handels mit Weissen Haien ablehnte.
Die Konferenz, an der 150 Nationen teilnahmen, lehnte ebenfalls zwei weitere Vorschläge ab, die Handelsregulationen für Riesen- und Walhaie forderten. Walhaie werden ca. 14 m lang und sind die grössten lebenden «Fische».
Australien, England und die USA führten die Länder an, die den Schutz der Haie beim Treffen der «Convention on International Trade in Endangered Species» (CITES) in Kenia vertraten. Ihr Vorschlag erhielt zwar die Mehrheit der Stimmen, erreichte jedoch nicht die notwendige zwei Drittel Mehrheit, denn er stiess auf den Widerstand von Fischereinationen und Ländern, die einen grossen nationalen Markt für Flossen und andere Haiprodukte haben.
Die Gegner argumentierten, dass es sehr schwierig sein würde, den Fang von spezifischen Haiarten zu vermeiden und dass keine der vorgeschlagenen Arten vom Aussterben bedroht sei.
«Die Information ist grundsätzlich falsch» meinte ein Delegierter Japans während der Diskussion. Zudem sollten alle Nationen, die um die Haipopulationen in ihren Gewässern besorgt sind, diese selbst schützen und nicht CITES die Arbeit für sie machen lassen.
«Wenn die Jagd auf Trophäen ein Problem ist, warum kontrolliert ihr sie nicht? Wenn der Beifang (der kommerziellen Fischerei) ein Problem ist, warum kontrolliert ihr sie nicht?» rief er. Naturschützer bedauerten, dass sie von der Fischereiindustrie geschlagen wurden, die Druck auf die asiatischen und lateinamerikanischen Nationen ausgeübt hatten den Antrag abzulehnen. Grosse Weisse Haie haben den Ruf Menschenfresser zu sein. Es sind jedoch nur ein paar wenige Menschen, die jährlich von diesen Haien getötet werden, denn Weisse Haie ernähren sich hauptsächlich von grossen Fischen und Robben, eventuell noch von Meeresschildkröten. Dennoch reduziert der internationale Handel mit seinen Kiefern und Zähnen die Populationen der Grossen Weissen bedenklich. Die Kiefer kosten auf dem internationalen Markt bis zu 50 000 Dollar und einzelne Zähne bis zu 60 Dollar.
Riesenhaie und Walhaie werden wegen ihrer Flossen gejagt, die in Asien für teures Geld in die Haiflossen-Suppe wandern. Riesenhaie erreichen eine Grösse von bis zu 10 m und ihre Flossen können 2 m lang werden. Einige dieser Flossen erzielen Preise von 15 000 Dollar.

Quelle: Planet Ark: Daily world environmental news (Reuter)




11. Dezember 2000 - WASHINGTON - Der Kongressabgeordnete Randy "Duke" Cunningham (Republikaner, San Diego) begrüßte den heutigen Erlass des Gesetzes zum Verbot des "Hai-Finning" durch den Senat, dass das Abschneiden der Flossen von Haien verbietet.
"Der heutige Beschluss des Senats erfordert als letzten Schritt lediglich die Unterschrift des Presidenten, um die unnütze Praxis des "Hai-Finning" ein für allemal zu beenden, bei dem die Flosse des Haies abgeschnitten und sein Kadaver ins Meer geworfen wird," sagte Cunningham. Haie zählen zu den biologisch empfindlichsten Arten des Meeres. Ihr langsames Wachstum, späte Geschlechtsreife und gerine Anzahl von Nachkommen macht sie außerordentlich anfällig für das Überfischen. Sie erholten sich nur langsam von Praktiken, die zu ihrer Verringerung beitragen. Gleichzeitig sind Haie als die größten Raubtiere wesentlich, um das Gleichgewicht des Meeres zu erhalten. Das Gesetz H.R. 5461 weist den Staatssekretär und das Wirtschaftsekretär zur Zusammenarbeit a, um den allgemeinen Handel mit Haiflossen zu beenden. Dies erfordert die aktive Beteiligung von mehr als 100 Länder, um die Nachfrage nach Haiflossen und anderen Haiprodukten zu reduzieren. "Internationale Maßnahmen sind eine kritischer Punkt wenn es um die effektive Erhaltung der Haie geht," sagte Cunningham. Außerdem autorisiert das Gesetz ein gemeinsames Forschungsprogramm der westpazifische Hochsee-Fischer, das Informationen zur Bestimmung der Haipopulation liefern soll. Dies beinhaltet die Bestimmung von Fischereigeräten und -praktiken, die das versehentliche Fangen von Haien auf ein Minimum beschränken solllen; das maximale Überleben von freigesetzen Haien soll durch Daten über den internationalen Handel mit Haiflossen sichergestellt werden. "Diese wichtige Voraussetzung wurde aufgrund der Forderung des Senats nach einer Ergänzung unserer Bemühungen zur Erhaltung des Hais eingefügt," sagte Cunningham. Das Gesetz zum Verbot des "Finnings" hat eine weitreichende
Zwei-Parteien-Unterstützung. Es wird stark gestützt von der Ocean Wildlife Campaign, einem Zusammenschluss aus dem Zentrum für Marine Beobachtung (Center for Marine Conservation), der Nationalen Audubon Gesellschaft, der Nationalen Koalition für marine Erhaltung (National Coalition for Marine Conservation), des Rates zur Verteidigung natürlicher Resourcen (Natural Resources Defense Council), der Wildlife Conservation Society sowie des World Wildlife Fund. Außerdem wird es vom Bundesstaat Hawaii durch das Office of Hawaiian Affairs unterstützt, der Amerikanischen Sportfischerei-Gesellschaft (American Sportfishing Association), der Allianz der Hobbyfischer (Recreational Fishing Alliance), der Kalifornischen Sportfischerei-Gesellschaft (Sportfishing Association of California), der Cousteau-Gesellschaft (Cousteau Society) und der westpazifischen Fischerei-Koalition (Western Pacific Fisheries Coalition).

Der heutige Beschluss des Senats ist das Ergebnis von zwei Jahren Bemühungen des Republikaners Cunningham, der von diesem tragischen Problem zum Mal hörte, als er 1999 die Zeitschrift BoatUS las. Auf Drängen des Republikaners Cunningham reagierte das Parlament zuerst durch den Erlass des Gesetzes H.Con.Res. 189 im November 1999, das die Meinung des Parlamentes darlegte, dass das Hai-Finning in allen US-Gewässern zu beenden sei. Nachdem die Praktik weiter betrieben wurde, führte der Republikaner Cunningham das Gesetzt H.R. 3535 ein, das die Praktik des Haiflossen-Schneidens in allen US-Gewässern beenden sollte. Das Gesetzt H.R. 3535 wurde am 7. Juni 2000 mit einer Mehrheit von 390 zu 1 vom Parlament erlassen. Schließlich führte Cunningham das Gesetz H.R. 5461 ein, das auf einem vom Senat ausgehandeltem Kompromiss basierte. "Heute ist das Ende eines langen persönliches Kampfes erreicht, diese schreckliche Praktik zu beenden. Ich bin stolz darauf, mit so vielen daran interessierten Menschen zusammengearbeitet zu haben, um diese wichtige Gesetzgebung in Kraft zu können. Besonders danken möchte ich den Vorsitzenden Saxton und Young sowie dem ranghöchsten Mitglied Miller für ihre engagierte Beteiligung und führende Rolle an dieser Gesetzgebung gegen diese schreckliche Methode des Flossenschneidens", fügte Cunningham hinzu. Das Gesetz zum Verbot des Haiflossenschneidens (H.R. 5461) wartet jetzt auf die Unterschrift durch den Präsidenten.




31.Oktober 2000 - Repräsentantenhaus stimmt für das Einstellen der Praktik lebenden Haien die Flossen abzuschneiden, zu.
WASHINGTON (AP) - Das U.S. Repräsentantenhaus hat zugestimmt, in US-Gewässer das zu verbieten, was die Gesetzgeber die "grausige" Praktik nennen, einem Hai die Flosse abzuschneiden und den Fisch zurück ins Meer zu werfen, wo er dann stirbt. Das Gesetz wurde nach mündlicher Abstimmung verabschiedet und richtet sich überwiegend an die Fischer, die im Pazifischen Ozean dem hochprofitablen Geschäft nachgehen, den asiatischen Markt mit Flossen zu versorgen, wo die Haiflosse als kulinarische Delikatesse und als Aphrodisiakum gilt.
Die Gesetzesvorlage geht jetzt zur endgültigen Abstimmung zurück an den U.S. Senat, bevor sie zum Präsidenten Bill Clinton geht, der sie als Gesetz abzeichnet. Das Wirtschaftsministerium begann von Seiten der Regierung bereits 1993 dem Flossenschneiden im Atlantik, in der Karibik und im Golf von Mexiko Einhalt zu gebieten, nachdem sich gezeigt hatte, dass diese Praktik die Haipopulationen reduzierte. Diese Leitlinie bezog sich allerdings nicht auf den Pazifik, wo das Flossenschneiden vor 10 Jahren noch nicht so vorherrschend war. Fischergruppen aus Hawaii hatten die Auswirkung des Flossenschneidens auf die Anzahl von Blauhaien in ihren Gewässern bezweifelt. Umweltschutzgruppen zufolge ist jedoch die Zahl der wegen ihrer Flossen getöteten Haie im Westpazifik mit bis zu 60.000 Tieren in 1998 in den letzten Jahren drastisch angestiegen.
"Diese unglaubliche Verschwendung in U.S.-Gewässern zu beenden, ist ein entscheidender Punkt wenn wir die Führungsrolle unserer Nation bei den Initiativen zur internationalen Erhaltung der Haie erhalten und das Flossenschneiden weltweit angehen wollen", sagte Sonja Fordham, Spezailistin für Haifischerei am Center for Marine Conservation. Das Gesetz würde den Besitz einer Flosse ohne den zugehörigen Kadaver in sämtlichen U.S. Bundesgewässern, die sich über 200 Meilen (320 km) vom amerikanischen Territorium aus erstrecken, für illegal erklären. Dies würde kleine Bootsführer effektiv vom Flossenschneiden abhalten, weil es nicht wirtschaftlich durchführbar ist, den Kadaver, der nur geringen Marktwert hat, mitzunehmen. Auch fördert es die Erforschung der Haie im Pazifik und Atlantik sowie die Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um das Flossenschneiden zu beenden. Der Gouverneur von Hawaii erliess im letzten Juni per Gesetz eine ähnliche Maßnahme die besagte, dass Haiflossen die in Hawaiianische Häfen eingeführt werden auf dem Hai sein müssen, oder falls abgeschnitten, der Kadaver an Bord des Schiffes gelagert sein muss. Das Flossenschneiden betrifft vor allem den Blauen Meerhai, der jedes Jahr versehentlich mit Thun- und Schwertfisch gefangen wird. Die Haie, die etwa 13 Fuß (4 m) lang und 400 Pfund (180 kg) schwer werden können, werden an Bord gezogen,ihre Flossen abgeschnitten und der manchmal noch lebende Fisch zurück ins Meer geworfen. Dort werden sie gefressen, verbluten oder ertrinken. Cunningham sagte, dass Haie durch ihr langsames Wachstum, später Geschlechtsreife und kleiner Anzahl an Nachkommen, zu den biologisch empfindlichsten Arten im Ozean gehören. "Als begeisterter Sportler und als Mitglied des Sportausschusses im Kongress, empfinde ich diese Praktik entsetzlich und unnütz."

© Pressemitteilung Associated Press, deutsche Übersetzung von Gabi Woiwode, AWC
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