RAUBTIERPROJEKT IN UGANDA

Berichte aus dem Raubtierprojekt in Uganda 2001
Im folgenden finden Sie einen Bericht über das Projekt vom Projektleiter Dr. Ludwig Siefert, gefolgt von einer Spendenübersicht. Die Berichte für 2002 sind noch nicht ausgewertet und folgen in den nächsten Wochen.

KURZDARSTELLUNG des PRAEDATORENPROJEKTS (LPP) und JAHRESBERICHT 2001

Vorgeschichte des Projektes
Anlaesse: Zwischen 1994 und 1997 vernichtete eine Staupeepidemie im Serengeti-Mara Schutzgebiet 1/3 der Raubtierpopulation Tanzanias bzw. Kenyas. Staupe war bis dahin als Krankheit nur bei Caniden - nicht aber bei Feliden bekannt! Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass es sich wohl um ein mutiertes Virus handelte, das nun seinen Zugang zu den ungeschuetzten Grosskatzen gefunden hatte. Ebenso, dass die Epidemie ihren Ausgang von der sich staendig vermehrenden Hundepopulation der umliegenden Doerfer genommen hatte und dass wohl Hyaenen als die Hauptuebertraeger dieser Seuche zwischen den Haustieren der Doerfer und den freilebenden Wildpraedatoren fungieren.

QUEEN ELIZABETH NATIONAL PARK - die besondere Herausforderung
Im Jahre 1997 gab es auch ein paar Todesfaelle unter den Loewen des Queen Elizabeth National Parks (QENP) in Uganda, aber wir bekamen nie Proben, um die Ursache der Todesfaelle untersuchen zu koennen. Jedenfalls sorgte sich der Direktor des Uganda Institute of Ecology in Mweya / QENP, dass auch in Uganda moeglicherweise der Bestand der einheimischen wilden Praedatoren von einer solchen Seuche bedroht sein koennte. Dr. Henry Busulwa (uebrigens ein Hydrobiologe!) bat mich deshalb dringend eine einheimische Fachkraft waehrend meiner Untersuchungen auszubilden, um so einerseits die Ursachen und moeglichen Gegenmassnahmen zu erforschen, andererseits die lokale Kapazitaet zu schaffen, nachhaltig die Gesundheit von Wildtieren in einem systematischen Ansatz zu sichern. Jedenfalls gab die besondere Situation von QENP genuegend Anlass zu solch einer berechtigten Sorge: aus historischen Gruenden hat dieser Park 11 Enklaven, die viele Haustiere (u.a. auch Hunde und Katzen) haben und als Fokus einer solchen Epidemie dienen koennen. Hinzu kommen noch etliche Doerfer am Rande dieses Nationalparks. Andererseits gab es Verdachtsmomente auf gezielte Vergiftungen von Praedatoren und Aasfressern durch Wilderer. Diese Probleme und die Unzufriedenheit mit bisherigen Management-Ansaetzen veranlasste Dr. Frank Princee, Populationsbiologe und Sekretaer der europaeischen Zoovereinigung in Holland, Prof. Derek Pomeroy, Professor im Makerere University Institute of Environment and Natural Resources (MUIENR), und Ludwig Siefert, Senior Lecturer for Wildlife Health and Management (Veterinaerfakultaet der Makerere University) neue Wege zu verfolgen: naemlich den Naturschutz durch proaktives Handeln und Management in Uganda voranzutreiben. Diese Passivitaet, gemaess dem Motto 'Mutter Natur alles nur ueberlassen' wurde nicht mehr der Realitaet gerecht, schon garnicht in QENP! Das Idealbild einer unberuehrten, harmonischen Selbstregulation war nicht nur in Uganda massiv durch 20 Jahre Buergerkrieg zerstoert worden. Die rasch wachsende Bevoelkerung bedrohte ebenso, aber eher indirekt, zunehmend Tierbestaende und Umwelt der Schutzgebiete.

Gefaherliches Wunschdenken und bittere Wirklichkeit…
Pro-Aktives Handeln war also dringend geboten! Und zwar basierend auf einem zuverlaessigen Datenbestand. Das Beispiel des Schicksals der Wildhunde in Afrika und der Tiger in Asien war eine deutliche Warnung, dass selbst solche Tierarten unerwartet und dennoch relativ rasch an den Rand des Abgrunds gedraengt werden koennen. Wir wollten also durch Monitoring rechtzeitig ein zuverlaessiges Alarmsystem installieren und darauf aufbauend Aktionsplaene entwerfen und vorbeugende Massnahmen implementieren. Die lokale Bevoelkerung sollte aktiv und auf breiter Front involviert werden. Einerseits sollte der oekologische und oekonomische Wert dieser Tiergruppe klargemacht werden, andererseits sollte darauf aufbauend eine Bruecke zu einer internationalen Naturschutzallianz geschlagen werden. Junge, einheimische und professionelle Tierschuetzer sollten in diese Aufgabe durch gezielte Weiterbildung hineinwachsen, um so die Zukunft des Naturschutzes in Afrika sicherzustellen.

Leider: jeder Anfang ist schwer…, in Uganda aber noch schwerer!
Anfangs hatten wir nur 3000$ aus Norwegen von NUFU zur Verfuegung. Dieser geringe Betrag, mehr noch aber die aeusserst boesartigen Attacken der ADF (einer neuen fundamentalistischen Rebellengruppe im Bereich von QENP), entmutigten die erste Kandidatin sich dieser Herausforderung mit allen Konsequenzen zu stellen. So konnte ich nur mit einem meiner Studenten zunaechst das Blutserum der Hunde und Katzen der noerdlichen Enklaven auf die Reaktion gegenueber diesen bedrohlichen Viren untersuchen.

Noch mehr drohende Gefahren! Und wir fanden heraus, dass die potentielle Gefahr eines Staupeausbruchs durchaus hier bestand! Dieses Ergebnis war dann auch spaeter (s.u.) der Anlass zu der vorbeugenden Tollwut- und Staupe-Impfung der Hunde und Katzen in den noerdlichen Enklaven. Macher, Mittel - aber noch keine Meister…
Schliesslich gelang es aber Frank in Holland zunaechst ausreichende Mittel fuer eine umfassen-dere Studie zu mobilisieren. Ich konnte dann auch Ersatz fuer die erste Kollegin finden und das Projekt auf eine, in vielfacher Hinsicht, sicherere Basis zu stellen. Meine ehemalige Studentin, Dr. Margaret Driciru wurde als Tieraerztin rekrutiert, ein Zoologe wurde fuer das Studium der Populationsdynamik engagiert und Tom Friday wurde unser Forschungsassistent. Ein bewaffneter ranger musste uns auch aus Sichertheitsgruenden immer begleiten. Vorbedingung fuer eine erfolgreiche Arbeit war natuerlich, dieses Team zu einem Spezialteam fuer die anfallenden Aufgaben in einem langwierigen Prozess auszubilden.

Ziele & Wege …
Bald stellte sich allerdings heraus, dass der Zoologe eigentlich nur einen Ueberbrueckungsjob suchte und keineswegs an solch einer harten, muehseligen und gefaehrlichen Arbeit ernsthaft interessiert war. Wir mussten uns also von ihm trennen. Margaret musste seine Arbeit mit-uebernehmen. zum HAUPTANLIEGEN: Hierzu mussten wir eine Art Volkszaehlung zunaechst moeglichst aller Loewen im QE durchfuehren, diese jaehrlich wiederholen fuer die noch wichtigere Trendanalyse, die Hauptgefahren fuer den Fortbestand ihrer Population identifizieren und analysieren, in einem Computermodell die wahrscheinliche Populationsentwicklung vorhersagen, schliesslich der Uganda Wildlife Authority (UWA) als Ausfuehrungsbehoerde Massnahmen zur Begrenzung und Elimination von Gefahren fuer die Praedatoren, Wildtiere, Menschen und Haustiere vorschlagen. So wurden alle Gebiete, mit Ausnahme notorischer Rebellengebiete, systematisch auf die Anwesenheit von Loewen untersucht.

Steckbriefe: who is who?
Fuer die Genauigkeit aller Untersuchungen ist wichtig, dass moeglichst nie das gleiche Tier doppelt oder gar dreifach gezaehlt wird! Die eindeutige Identifikation jedes Individuums machte die Einrichtung einer detaillierten Datei unbedingt notwendig. Filme, Videokamera, gute Scheinwerfer waren also wichtige Hilfsmittel im technischen Repertoir - gespendet von AWC - zum Aufbau und staendigen Aenderung der Datei wegen der Zu- und Abgaenge.

Fakten:
Andererseits brauchten wir natuerlich handfeste Beweise fuer die Existenz bestimmter infektioeser und nicht-infektioeser Gefahren. Beobachtungen und Verdachtsdiagnosen reichten nicht aus. Als einzige Moeglichkeit, Individuen intensiv untersuchen zu koennen und Proben zu entnehmen, blieb, diese mit dem Narkosegewehr zu betaeuben. Hierfuer wird eine kostspielige Spezialausstattung benoetigt: die technische Ausstattung ist sehr teuer, muss gut gewartet werden, die sehr guten Narkosemittel sind kostspielig: pro Kilogramm Koerpermasse muss man mit 1$ nur fuer die komplexen Narkosemedikamente rechnen! Ein ausgewachsener Loewenmann kommt auf gut 200kg, die Frauen auf 130 bis 170kg! Vorteil: die Narkose ist ohne Nebenwirkungen (diese gibt es, wenn man billigere Kombinationen einsetzt), wir haben nie einen Zwischenfall gehabt. Natuerlich wuerden wir die statistische Aussagekraft erhoehen, wenn wir von mehr als 10% der Population Proben nehmen koennten. Aber wir muessen abwaegen - auch finanziell. Die Kraftstoffpreise in Uganda sind immens hoch - damit auch die Kosten - da wir sehr grosse Strecken off-track im Vierradantrieb zuruecklegen muessen. Wir versuchen, diese durch gezielte Ortung mit gps (auch von AWC gespendet!) zu minimieren, naechtelang in einem Gebiet draussen zu bleiben ohne zur Basis in Mweya (QENP) oder Paraa (Murchison Falls National Park; MFNP) zurueckzukehren. Dies kann andererseits sehr kostspielig werden: Wilderer, Banditen, Rebellen koennen uns aus sicherer Entfernung lokalisieren und angreifen. Nachtsichtgeraete waeren hier fuer uns eine grosse Hilfe. Denn wir koennten Gefahren eher erkennen, ohne erkannt zu werden, wir koennten ungestoert z.B, Loewen und Hyaenen und Beutetiere bei der Jagd beobachten, wir koennten die naechtlichen Tunnelvisionen reduzieren, auf die uns die Scheinwerfer festlegen, den buchstaeblichen Impakt auf Umwelt und Fahrzeuge, aber - wir koennen uns dies leider noch nicht leisten.
Flexibilitaet, nicht nur in dieser Hinsicht, ist eine wichtige Tugend in diesem Umfeld. Nicht nur fuer uns als Arbeiter an der Naturschutz- und Umweltfront, auch fuer die Fahrzeuge! Oft ist das Gras bis zu 4 m hoch, Felsen und Warzenschweinloecher, tiefe Rinnen und viele andere unbelebte und belebte Gefahren (z.B. Giftschlangen) bleiben verborgen, bis man drin gelandet ist. In muehseliger Arbeit muss man sich zunaechst daraus befreien. Manchmal klappt auch dies nicht, denn man sitzt zu tief drin oder das Fahrzeug hat Schaeden abbekommen. Und dies sind leider keine brandneuen Unimogs mit Seilwinde - eher Modelle, die aus einem Automuseum geschleppt und wieder flott gemacht wurden! Denn, die Mittel sind auch hier noch nicht vorhanden, uns die Arbeit zu erleichtern, letztendlich auch die langfristigen Kosten zu senken.

Augenwischerei
Gerade die Institutionen, welche immer wieder oekonomische Flexibilitaet einklagen, wie die Weltbank, draengen die hiesigen Regierungen zu hoeheren Steuereinkommen und zwar nicht nur durch originaere Einkuenfte sondern eher durch Kosmetik an den Bilanzen! Wer moechte oder kann ein Fahrzeug spendieren, wenn dann fast der Gegenwert in Importsteuer vom Spender obendrein gezahlt werden muss?!

Muessen Spender auch noch bestraft werden?
So wird uns als internationaler Naturschutzallianz immer noch der Ast abgesaegt, auf dem wir den Balanceakt pro-aktiven Naturschutzes versuchen zu improvisieren. Scheinbar in der Hoffnung, dass diese Allianz dann schon irgendwie Netz und doppelten Boden hierfuer bereitstellen, wenn's daneben geht! So muessen wir gezwungenermassen kostbare Zeit nicht nur durch lokale sondern auch internationale Ineffizienz vergeuden. Die eigentliche Arbeit wird auf ein kaum tolerierbares Minimum geschrumpft. Als ob die Moskitos nachts, die knallende Sonne tagsueber, die technischen, die buerokratischen breakdowns nicht schon genuegend die Toleranzgrenze bis zum Rande des nervous breakdowns strapazieren?! Wie kann so der Wert des Schutzes eben dieser diversen biologischen Werte gerade der verarmten Bevoelkerung am Rande eines Nationalparks vermittelt werden? Die Wildtierpopulationen koennten schneller wachsen! Die Einheimischen koennten den Wert umweltfreundlicher Naturschutzstrategien buchstaeblich erfahren. Die Touristen koennten 'more value for more money' gerade in diesem umweltfreundlichen, arbeitsintensiven Oekotourismus-Sektor erleben, wuerden mehr dalassen - auch und gerade fuer den Naturschutz - wuerden wiederkommen. Gerade solche Laender wie Uganda, die jahrelang nicht nur von menschlichen Katastrophen gebeutelt wurden, koennten wieder eher in Bereichen konkurrieren, in denen sie eindeutige Standortvorteile haben - zum Nutzen von Mensch, Tier und Umwelt!
Unsere Strategie muss deshalb eine holistische sein: Es reicht einfach nicht aus z.B. das FIV- und das CD-Virus dingfest zu machen, Bekaempfungsstrategien zu entwickeln, Impfkampagnen zu implementieren, auszuwerten, zu verbessern, bush-meat butcher dingfest zu machen, Giftmischern das Handwerk zu legen. Wir sind ueberzeugt, dass wir gewinnen koennen, aber nur, wenn wir machbare, also realistische Alternativen anbieten. Wir muessen zunaechst anerkennen, dass wir hier wichtige Partner haben, die diese - leider komplexen - Zusammenhaenge zunaechst verstehen muessen, um echte Partner werden zu koennen. In unserem Bereich koennen wir z.B. vorrechnen, dass der Schutz von Loewen fuer den Phototourismus selbst monetaer profitabler sein kann, als der Verlust einiger Haustiere - auch und gerade im Vergleich zur Trophaeenjagd menschengemachter Konflikt-Tiere.

The Global Village
in der Tat, existiert nicht, weil sich dort Margaret Driciru und Armin Hofmann treffen, sondern vielmehr gemeinsam Strategien entwickeln und kritisch umsetzen! Und zwar nicht nur als Stellvertreter. Wir moechten insbesondere den wissenschaftlichen Tourismus weiterentwickeln. Wir brauchen die aktive Zusammenarbeit informierter Partner - auf beiden Seiten. Folklore als echte Kultur verschleudert, die oft noch schwerwiegende, schwelende Konflikte bunt uebertuencht, ein Abstecher vom Strand in einen Nationalpark waehrend der kostbarsten Tage des Jahres, werden die globalen Natur- und Menschenschutzprobleme nicht mehr loesen! Not-opfer dieser Art reichen schlicht und einfach nicht mehr aus. Hinz & Kunz aus D, Mukasa & Opio aus EAU muessen zusammenkommen, und sei es waehrend eines Aktivurlaubs, sich verstehen lernen, ihre Rollen als Hueter dieser Naturkostbarkeiten in einer globalen Un-Ordnung erlernen, in der leider immer noch sehr vieles im Argen liegt, gemeinsam handeln! eu-stress statt dis-stress fuer Mensch, Tier, Natur muss die Devise sein! Kurz und buendig: wir suchen aktive, kritische, lernbereite, aber auch hilfreiche, verstaendnisbereite Partner, die nicht vor Problemen zurueckscheuen, sich nicht durch voruebergehende Durststrecken entmutigen lassen! Strategisch sind uns gezielte, infdormierte Zusammenarbeit lieber und wichtiger als grosse Schecks ohne weiteres Engagement.

Wir haben berechtigte Hoffnung, dass AWC genau dieser richtige Partner ist!

Dr. Ludwig Siefert



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© Association for Wildlife Conservation e. V.,
Bilder: Uganda Large Predator Project, div. Fotografen