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Der 29. Juli 2000: Ein regnerischer Samstag mitten in Kappel in der Nähe des Bodensees. Auf einer durchweichten Wiese vor einer Halle findet das Saurennen statt. Die Rennbahn ist 100 m lang und kann wahlweise mit Hindernissen bestückt werden. Die Schweine verschiedener Rassen sind am Start- bzw. Zielgelände in Verhauen aus Zäunen eingesperrt. Zum Start müssen Sie in enge Boxen getrieben werden. Dabei weigern sich einige Sauen und werden durch Tritte und Schläge in die Boxen geprügelt. Als die Wildschweine an die Reihe kommen, müssen harte Schläge mit einem Brett angewandt werden. Das Brett (ca. 3 cm stark) zerbricht dabei sogar. Die Wildschweine greifen die Treiber immer wieder an und eines muss sogar vom Rennen ausgelassen werden, da es die Treiber zu heftig angreift. Deutlich wird, dass die Tiere keineswegs Spass an der Sache haben und sogar Angst und Wut empfinden. Laute Angstgrunzer und Schreie verdeutlichen dies.
Sind die Schweine in der Box, wird diese oft erst nach vielen Minuten geöffnet, aber die Schweine müssen in dieser Enge zurechtkommen, da es ihnen ja Spass macht! Wenn sich die Tür zur Rennbahn öffnet, beschleunigt ein kräftiger Tritt des Treibers die Tiere. Ungefähr die Hälfte der Hausschweine rennt die geplante Bahn, die anderen kehren vor Angst und Aufre-gung schreiend wild umher und werden von den Kindern hin und her gehetzt. Dabei schlagen die Kinder auf die Schweine ein, treten sie und versuchen sogar auf ihnen zu reiten und sich an den Ohren der Tiere festzuhalten. Herr Nägele kann dazu nur durchs Mikrophon rufen: "Drauflegen und an den Ohren festhalten! Dann geht's ab."
Die Wildschweine rennen fast gar nicht und müssen immer wieder aus dem Rennen gelassen werden. Herr Nägele ist weiterhin davon überzeugt, dass die Tiere ihren Spass haben und grölt nach einem Gespräch mit mir über das Mikrophon seinen 50 bis 70 Gästen zu: "Wir haben heute jemanden unter uns, der uns nicht mag. Der Tierschutz ist da."
Auf meine Fragen antwortete Herr Nägele: "Ich glaube nicht nur, sondern ich weiß, dass dieses Rennen den Tieren Spass macht und dass sie keine Schmerzen erfahren."
Die Tiere stammen alle aus der Haltung von Herrn Nägele und werden dort nach dem Rennen auch wieder leben. "Man erkennt deutlich, dass die Schweine Spass haben. Die laufen freiwillig auf den Trans-porter zur Rennbahn und auch wieder zurück. Und am nächsten Tag noch mal das gleiche. Die denken "Jetzt geht's wieder zum Rennen. Toll!", das hat mir selbst der untersuchende Staatsanwalt hier mal gesagt."
Da sieht man mal wieder, wieviel Ahnung unsere Justizorgane haben. Eine Umfrage unter den Anwesenden ergab, dass man sich zwar nicht einig ist, ob die Tiere bei dem Rennen Spass haben, dass den Tieren aber keinerlei Schmerz oder Leid zugefügt wird. Alle Befragten glauben, dass diese Veranstaltung keineswegs gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Dafür muss man sich dann Antworten anhören wie: "Engagieren sie sich doch bitte woanders im Tierschutz!", oder: "Fotografieren sie doch lieber verhungernde Kinder!"
Anscheinend ist es den Menschen doch unangenehm, wenn man ihre stillschweigende Tierquälerei anrührt.
Herr Nägele weiß durchaus, wie er sein Publikum unterhalten kann. Allerdings geht es diesen Menschen ja auch hauptsächlich ums Biertrinken, mit anderen Worten: Spass haben, egal auf wessen Kosten. Es ist nicht schwer einen solchen primitiven Menschenschlag zu unterhalten und ihm zu erzählen, dass die Tiere gerne über die Rennbahn gehetzt werden. Fröhlich berichtet Herr Nägele, wie der französische Weltmeister im Wettgrunzen eine sterbende Sau nachgemacht hat: "Und dann sagt er zu der abgestochenen Sau: "Mein Gott, jetzt bist du tot, aber freu' dich, du gibst eine gute Sau ab." Hahaha..."
Welch sarkastische Freude Herr Nägele! Ich hoffe nur, dass ihr Saurennen sobald wie möglich verboten wird. Dann müssen Sie vielleicht ein freudiges Menschenrennen im Schlamm durchführen, aber lassen sie sich am Start ja einen festen Arschtritt geben!
(Bericht unseres Aktivisten Felix Struening)
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